Warum alte Elektro-Installationen zum Risiko werden

Alte Elektroinstallationen zählen zu den am meisten unterschätzten Risiken in Gebäuden. Während offensichtliche Gefahren wie kaputte Fenster, lockere Bodenplatten oder Stolperfallen sofort ins Auge fallen, bleiben elektrische Anlagen meist unsichtbar. Sie sind verborgen hinter Wänden und Abdeckungen. Gerade das macht sie so tückisch: Sie wirken oft harmlos und funktionieren scheinbar problemlos, obwohl erhebliche Sicherheitsrisiken bestehen.

Leitungen, die seit Jahrzehnten im Einsatz sind, veraltete Sicherungssysteme oder fehlende Schutzmechanismen können eine ernsthafte Gefahr für Menschen, Gebäude und Sachwerte darstellen. In diesem Beitrag zeigen wir die wichtigsten Schwachstellen alter Elektroinstallationen und worauf Betreiber und Eigentümer besonders achten sollten.

1. Fehlender Fehlerstrom-Schutzschalter

Ein modernes Gebäude ist ohne Fehlerstrom-Schutzschalter kaum denkbar. Dieses kleine Bauteil erkennt Strom, der auf ungewöhnlichen Wegen abfliesst. Im Falle eines Fehlers – beispielsweise, wenn der Strom über ein Metallgehäuse abgeleitet wird – schaltet es den Strom innerhalb von Millisekunden ab. Damit verhindert der Schutzschalter schwere Stromunfälle und Brände.

In vielen älteren Gebäuden fehlt jedoch ein Fehlerstrom-Schutzschalter. Der Grund dafür liegt in der damaligen Installationsweise: Früher wurden elektrische Leitungen häufig nur mit zwei Adern verlegt: einem Polleiter und einem kombinierten Schutz- und Neutralleiter.

Ein Fehlerstrom-Schutzschalter benötigt jedoch drei getrennte Leiter: einen Polleiter (früher Phase), einen Neutralleiter (früher Nulleiter) und einen Schutzleiter. Fehlt dieser separate Schutzleiter, kann der Schutzschalter seine Schutzfunktion nicht zuverlässig erfüllen.

Aus diesem Grund ist in Altbauten oft mehr als nur eine Nachrüstung erforderlich. Oft muss die gesamte Leitungsführung erneuert werden, um den heutigen Sicherheitsstandards zu entsprechen.

2. Spröde oder beschädigte Leiterisolationen

Mit zunehmendem Alter verlieren Kabel ihre ursprüngliche Festigkeit. Die Isolation wird spröde und anfällig für Schäden. Typische Anzeichen dafür sind:

  • Risse  
  • abbröckelnde Oberflächen
  • sichtbare Verfärbungen
  • Spuren von Überhitzung

Besonders kritisch sind textilisolierte Leitungen. Hier steigt das Risiko für Kurzschlüsse und Schwelbrände stark an.

3. Verbotene Stoffe in alten Isolationen

Ältere Kabelisolationen enthalten oft Materialien, die heute aus gutem Grund nicht mehr verwendet werden dürfen. Dazu zählen PVC-Mischungen mit gesundheitsschädlichen Weichmachern, gummibasierte Isolierungen mit giftigen Alterungsstoffen und Materialien, die im Brandfall hochgiftige Gase freisetzen.

Bereits bei geringer Erwärmung können diese Stoffe schädliche Dämpfe abgeben oder bei Berührung Hautirritationen verursachen. Ein typisches Erkennungsmerkmal sind grün-braune Spuren an Steckerstiften, die nach der Nutzung alter Steckdosen auftreten können. 

4. Begrenzte Lebensdauer von Installationen und Geräten

Auch elektrische Komponenten sind nicht für die Ewigkeit ausgelegt. Mit der Zeit unterliegen sie einem natürlichen Verschleiss. Als Orientierung gelten folgende Lebensdauern:

  • Leitungen: ca. 20–60 Jahre 
  • Sicherungen und Verteiler: 25–40 Jahre 
  • Steckdosen und Schalter: 20–30 Jahre 

Veraltete oder lose Kontakte können rasch zu einer Überhitzung führen.

5. Asbest in alten Bauteilen

In älteren Elektroinstallationen können neben veralteten Kabeln auch Materialien vorkommen, die heute nicht mehr zulässig sind. Ein besonders kritisches Beispiel ist Asbest, das aufgrund seiner Hitzebeständigkeit früher häufig eingesetzt wurde.

Asbest in Speicheröfen
Viele ältere Elektro-Speicheröfen enthalten Asbestplatten als Hitzeschutz. Werden solche Geräte geöffnet oder zerlegt, können gefährliche Fasern freigesetzt werden, die ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen.

Asbest als Unterlage für Leuchten
Auch hinter Lampen und Leuchten wurden früher oft hitzebeständige Asbestplatten montiert. Diese wirken meist unscheinbar, können jedoch beim Entfernen oder Beschädigen gesundheitsgefährdende Fasern freisetzen.

Asbest in oder hinter Sicherungskästen
In älteren Gebäuden wurden Sicherungskästen oft auf asbesthaltigen Montageplatten installiert. Bei Arbeiten an solchen Anlagen ist daher besondere Vorsicht geboten. Im Zweifel sollten Sie Fachpersonal hinzuziehen.

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Strom ist eine der häufigen Brandursache. Wir zeigen Ihnen, wie einfach Sie Brände bei elektrischen Installationen oder Geräten verhindern können: 

Tipps zu elektrischen Installationen

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6. Unsachgemässe Änderungen und Erweiterungen

In vielen Altbauten wurden elektrische Installationen über Jahre hinweg schrittweise erweitert – oft ohne ausreichendes Fachwissen. Dadurch entstehen nicht selten sicherheitskritische Zustände, wie zum Beispiel:

  • falsch angeschlossene Leitungen
  • überladene Abzweigdosen
  • fehlende Schutzleiter
  • ungeeignete Leitungsquerschnitte
  • improvisierte Lösungen im Sicherungskasten

Solche unsachgemässen Installationen zählen zu den häufigsten Ursachen für Brände.

7. Zu wenige Steckdosen erhöhen das Risiko.

In den letzten Jahrzehnten ist die Anzahl elektrischer Geräte stark gestiegen. Was früher ausreichte, genügt den heutigen Anforderungen längst nicht mehr. In der Folge werden häufig Mehrfachstecker oder Steckdosenleisten verwendet und oft auch hintereinandergeschaltet. So entstehen ganze Steckertürme und Adapterketten. Auch improvisierte Kabelkonstruktionen sind keine Seltenheit. 

Was viele nicht ahnen: Beim Hintereinanderschalten addiert sich die Belastung bei den vorherigen Steckern. Dies kann dazu führen, dass Stecker, Steckdosen und Leitungen überhitzen und ein erhöhtes Brandrisiko entsteht.

Fazit: Handeln Sie frühzeitig und erhöhen Sie Ihre Sicherheit.

Eine fachliche Überprüfung oder Modernisierung der Elektroinstallation ist besonders dann sinnvoll, wenn kein Fehlerstrom-Schutzschalter vorhanden ist, die Leitungen brüchig oder verfärbt sind, die Steckdosen locker sitzen oder Funken bilden. Auch der dauerhafte Einsatz mehrerer Mehrfachsteckdosen, ein alter oder auffällig warmer bzw. brummender Sicherungskasten sowie der Verdacht auf Asbest oder bröselige, grau-weisse Unterlagen hinter Leuchten sind klare Warnsignale. 

Eine zeitgemässe Elektroinstallation schützt zuverlässig vor Unfällen und reduziert das Risiko von Bränden erheblich.

Dieser Blogbeitrag wurde in Zusammenarbeit mit dem Verband Schweizerischer Elektrokontrollen (VSEK) erstellt. Der VSEK vertritt mehr als 2'600 Fachleute aus der Elektrobranche.