Brandverhütung beim Einsatz landwirtschaftlicher Roboter in Gebäuden
Melkroboter, Fütterungsroboter und Entmistungssysteme haben den Stallalltag deutlich verändert. Sie erleichtern Arbeiten, steigern die Effizienz und laufen oft rund um die Uhr. Mit der Automatisierung entstehen aber auch neue Brandrisiken.
Dieser Artikel zeigt zentrale Punkte der Brandverhütung beim Einsatz von Robotern und gibt konkrete Umsetzungstipps. Er wurde im Rahmen der Kampagne «Brandverhütung in der Landwirtschaft» gemeinsam von der Beratungsstelle für Brandverhütung (BFB) und der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) erarbeitet.

Top 3 Brandverhütungs-Tipps
- Keine brennbare Materialien im Umfeld der Roboterladeeinheit lagern.
- Anlage fachgerecht installieren und warten.
- Beschädigte Akkus sofort entsorgen.
Moderne Technik in feuergefährdeter Umgebung
Stallroboter bestehen aus Motoren, Sensoren und Elektronik und enthalten in vielen Fällen leistungsstarke Akkus. In der rauen Stallumgebung können Kabel beschädigt werden, Lüftungsöffnungen verstopfen und Bauteile überhitzen. Auch Kurzschlüsse durch Staub und Feuchtigkeit sind möglich.
Viele Systeme arbeiten unbeaufsichtigt. Entsteht an der Ladestation oder am Melkroboter ein Brand, bleibt dieser oft lange unbemerkt.
Brandverhütung beginnt beim Bauen
Auch die bauliche Struktur des Stalls beeinflusst das Brandrisiko. Brandabschnitte verlangsamen die Ausbreitung eines Feuers und erleichtern im Ernstfall die Löscharbeiten. Mit einer brandsicheren Einkleidung des Ladebereichs oder der Roboternische können im Brandfall entscheidende Minuten gewonnen werden.
Brennbare oder brandfördernde Materialien sollten nicht im Brandabschnitt der Roboterladeeinheit gelagert werden.
Fachgerechte Installation als Grundlage
Eine sichere Stromversorgung mit korrekt dimensionierten Leitungen ist zentral. Installationen müssen von einer Elektrofachperson geplant und ausgeführt werden und den Anforderungen eines feuergefährdeten Raumes entsprechen.
Zuleitungen sind so zu führen, dass sie weder Feuchtigkeit noch mechanischen Belastungen (z.B. durch Anfahren mit Fahrzeugen) ausgesetzt sind. Neben der Verwendung von staubgeschützten Komponenten (IP 65), Fehlerstromschutzschaltern und einem Überspannungsschutz empfiehlt sich das Verbauen eines Brandschutzschalters (AFDD) in der Anlage.
Für Roboteranlagen bietet sich eine Stromversorgung mit eigenem Stromkreis und eigenem RCD/FI-Schutz an, damit Fehlerströme frühzeitig erkannt werden.
Auch mangelnde Wartung sowie fehlerhafte Instandsetzungen können zu Defekten führen. Die jährliche Überprüfung (z.B. im Service-Abo) durch eine Fachperson kann die Zuverlässigkeit des Systems steigern und gleichzeitig das Brandrisiko senken. Bei Verfärbungen von Bauteilen oder Verschalungen, die auf eine hohe Hitzeeinwirkung schliessen lassen, ist umgehend der Hersteller zu informieren, um die Ursache zu klären.
Lithium-Akkus sind sicher, aber im Brandfall anspruchsvoll
Das Brandverhalten von Lithium-Akkus ist besonders heikel. Der Anstieg von Akku-Bränden liegt weniger am Risiko selbst, sondern an der zunehmend verbreiteten Nutzung der Akkus. Oft werden sie eingesetzt, ohne die damit verbundenen Sicherheitsrisiken neu zu beurteilen und entsprechende Präventionsmassnahmen umzusetzen.
Lithium-Akkus gelten als zuverlässig und sicher, können jedoch im Ausnahmefall thermisch durchgehen. Eine innere Kettenreaktion führt dabei zu einem unkontrollierten Temperatur-anstieg mit Entzündung des Akkus und Freisetzung brennbarer Gase.
Auslöser sind meist Überladung, starke Entladung, Kurzschlüsse, hohe Temperaturen oder mechanische Schäden. Lithium-Akkus bleiben nur bis zu einer Temperatur von etwa 60° C stabil. Eine deutliche Überschreitung dieses Bereichs kann zu Instabilität führen. Geht ein Akku thermisch durch, entwickelt sich ein Brand mit Temperaturen bis zu 1000° C. Für das Löschen sind in einem solchen Fall spezielle Mittel erforderlich, da herkömmliche Methoden wie Wasser die Temperatur nicht ausreichend senken.
Akkus sicher laden und lagern
Lithium-Akkus sind leistungsstark, reagieren aber empfindlich auf Ladefehler. Es dürfen nur Original-Akkus und -Ladegeräte des Herstellers verwendet werden. Ladeeinheiten dürfen nicht in der Nähe von Heu-, Stroh- oder Einstreulagern sowie von Lagerbereichen anderer brennbarer oder brandfördernder Materialien installiert oder benutzt werden. Die Ladestation muss jederzeit frei zugänglich sein.
Akkus dürfen beim Laden nie abgedeckt werden, die Wärme muss jederzeit entweichen können. Staub wirkt als Brandbeschleuniger, deshalb sind Ladeeinheit, Kühlmodule, Ansaug- und Ausblasöffnungen sowie deren Umgebung regelmässig zu reinigen und zu kontrollieren.
Beschädigungen an Akkus sind besonders kritisch. Ungewöhnliche Wärmeentwicklung oder verschmorter Geruch sind Warnsignale und müssen sofort abgeklärt werden. Akkus mit aufgequollenen Gehäusen, Verfärbungen oder Beulen dürfen weder geladen noch weiterverwendet werden, sondern sind sofort fachgerecht zu entsorgen. Ersatz- oder defekte Akkus dürfen nicht im Ökonomiegebäude oder im Stall gelagert werden, sondern sind so rasch wie möglich zu entsorgen.
Früherkennung entscheidet über den Ausgang
Eine verlässliche Branderkennung ist im Stall entscheidend. Herkömmliche Rauchmelder funktionieren wegen des Staubs oft unzuverlässig. Wärme- oder Flammenmelder wie auch mobile, drahtlose Brandmeldeanlagen für den Einsatz unter erschwerten Bedingungen erkennen kritische Situationen hingegen sicher. Bei einem Brand verschafft eine automatische Alarmierung aufs Handy oder direkt zur Feuerwehr wertvolle Zeit. Ergänzend können Kameras mit Wärmebild genutzt werden.
Störungsmeldungen der Robotik liefern zusätzliche Hinweise, ersetzen jedoch keine Brandmeldeanlage. Für die Erstbekämpfung eines Feuers müssen geeignete Löscheinrichtungen wie Löschposten oder Handlöscher gut zugänglich sein. In Betrieben mit akkubetriebenen Robotern empfiehlt sich zudem ein geeignetes Löschmittel für Lithium-Akkus wie Metallbrandlöscher oder Löschgranulat bereitzustellen.
Richtig handeln im Ereignisfall
Akkubrände erfordern besondere Vorsicht, da sie sehr viele giftige Gase freisetzen und nur durch starkes Kühlen unter Kontrolle gebracht werden können. Im Brandfall steht die sofortige Alarmierung der Feuerwehr (118) immer an erster Stelle. Das Löschen solcher Akkus stellt aufgrund des explosionsartigen Abbrennverhaltens ein sehr grosses Risiko dar und sollte der Feuerwehr überlassen werden. Bei einem Brand der Ladeeinheit sollte die Anlage umgehend stromlos geschaltet werden.
Müssen Tiere evakuiert werden, gelingt dies am besten über vertraute Treibwege. Dabei gilt stets: Eigenschutz hat Vorrang. Fluchtwege müssen jederzeit frei bleiben. Sobald die Feuerwehr eintrifft, beschleunigt eine klare Einweisung und Angaben über den Standort des Roboters, der Ladestation und brennbaren Materialien den Löscheinsatz.
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Diese Inhalte wurden in Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) erstellt.
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