Verbrennungen und deren Behandlung

Die Herdplatte war noch heiss! Das Pasta-Wasser spritzt über die Hand! Den Lötkolben am falschen Ende angefasst! Jeden Tag gibt es dutzende Gefahrensituationen, bei denen wir uns verbrennen können. Kleine Verbrennungen sind zwar schmerzhaft, heilen aber rasch wieder. Tiefere Verbrennungen hingegen sind nicht nur gefährlich, sie ziehen auch eine lange Leidens- und Heilungszeit mit sich.

In diesem Blogbeitrag erfahren Sie unter anderem, welche Schweregrade es gibt, wann Sie zum Arzt müssen und welche die beste Sofort-Massnahme bei einer Verbrennung ist.

Interview mit Dr. Sandra Gruber,
Geschäftsführende Apothekerin Benu Apotheke Effi-Märt

«Bei uns sehen wir häufig Verbrühungen mit heissem Wasser oder Wasserdampf. Auch führen Haushaltsgeräte wie Bügeleisen, Backofen, Herd usw. immer wieder zu Verbrennungen. Ein «Dauerbrenner» sind auch Verbrennungen verursacht durch den heissen Auspuff des Motorrades.»

 

Beratungsstelle für Brandverhütung: Frau Gruber, welche Verbrennungen gibt es?
Frau Dr. Sandra Gruber: Verbrennungen werden nach zwei Gesichtspunkten unterteilt: Einerseits nach der Tiefe des Schadens, dies entspricht dem Schweregrad. Andererseits nach der Ausdehnung des Schadens, welcher als Anteil der betroffenen Körperregionen berechnet wird.

Erklären Sie uns bitte die Schweregrade.
Der Schweregrad Grad 1 ist eine oberflächliche Hautschädigung, welche nur die Epidermis, die oberste Schicht der Haut, betrifft. Die Rötung lässt sich wegdrücken. Wenn Sie also mit dem Finger auf die verbrannte Stelle drücken, nimmt diese die ursprüngliche Hautfarbe an. Sie spüren einen Spannungsschmerz und reagieren empfindlich auf Berührung. Ein typisches Beispiel für eine Verbrennung mit Grad 1 ist der Sonnenbrand.

Unter Grad 2a fallen oberflächliche Hautschädigung bis zur Basalzellschicht (die innerste der fünf Epidermis-Schichten).  Auch hier ist die Rötung wegdrückbar. Es bilden sich jedoch Blasen und Sie verspüren starke Berührungsschmerzen. Zudem ist der Grund der Wunde rötlich. Bei Grad 2a verläuft die Heilung ohne Narbenbildung.

Grad 2b führt zu tiefen Hautschädigungen einschliesslich der Basalzellschicht. Die Rötung lässt sich kaum wegdrücken. Es bilden sich Blasen, jedoch ist der Berührungsschmerz gegenüber den tieferen Verbrennungsgraden deutlich reduziert. Der Grund der Wunde ist weisslich und mit der Heilung bilden sich Narben.

Bei Grad 3 sind alle Hautschichten betroffen, und die Rötung ist nicht wegdrückbar. Es bilden sich Blasen und Brandschorf. Da die Nervenenden verbrannt sind, fehlt der Schmerz bei einer Berührung.  Der Wundgrund ist auch hier weisslich und die Verletzung ist irreversibel und sichtbar.

Der schlimmste Verbrennungsgrad ist Grad 4. Hier sind alle Hautschichten inklusive den Muskeln, Sehnen und Knochen betroffen. Schmerzen verspüren die Opfer keine, aber die Verletzung ist irreversibel, und die Narben bleiben gut sichtbar.

«Ist die Verbrennung gravierend, aber nicht schmerzhaft, sollten Sie SOFORT zum Arzt.»

Sie haben von der Ausdehnung des Schadens als zweiter Wert gesprochen. Wie messe ich diese?
Sie können die folgende Faustregel anwenden: die Handfläche des Patienten plus die Finger, entsprechen rund 1% seiner Körperoberfläche.

Ab welcher Ausdehnung sind Verbrennungen lebensbedrohlich?
Bei Kindern liegt sie bei 10% der Körperoberfläche, bei Erwachsenen bei rund 15%.  

Welche Verbrennung kann ich selber behandeln?
Kleinere Verbrennungen mit Grad 1 können Sie mit Hilfe der richtigen Sofortmassnahmen und anschliessenden optimalen Wundversorgung selber behandeln. Bei Verbrennungen mit Grad 1 und Grad 2a mit einer Ausdehnung bis zu 1% - das entspricht in etwa der Handfläche plus Finger des Patienten – sollten Sie die Apotheke aufsuchen.

Und wann muss ich zum Arzt?
Zum Arzt oder ins Spital müssen Sie in diesen Fällen:
Bei Grad 1, wenn die Wunde grossflächig ist, der Patient instabil ist oder einen Sonnenstich hat.
Bei Grad 2a, wenn die Ausdehnung grösser als 1% ist.
Immer den Arzt aufsuchen müssen sie ab Grad 2b, bei Verbrennungen an den Gelenken und Genitalien und Verbrennungen bei Säuglingen und Kleinkindern.

Infolge Verbrennungen müssen in der Schweiz jedes Jahr über 8’000 Personen in ärztliche Behandlung und ca. 290 Schwerverletzte müssen in einem Brandverletztenzentrum behandelt werden. Jährlich sterben zwischen 13 und 31 Personen an den direkten Folgen eines Brandes. Diese Zahlen zeigen auf, dass gute Prävention in der Brandverhütung zentral ist. Umso mehr, als dass etliche Unfälle mit einfachen Massnahmen hätten verhindert werden können.

VERBRENNUNGEN UND IHRE SCHMERZHAFTEN FOLGEN

 

Was muss ich bei einer Verbrennung tun?
Die wirksamste Sofortmassnahme ist es, die Verbrennung so rasch als möglich (innert 20 Minuten) mit handwarmem Leitungswasser zu kühlen. Verwenden Sie dazu fliessendes Wasser und keine Eisbeutel oder Eiswasser. Denn sonst besteht die Gefahr einer Unterkühlung. Dies trifft besonders auf Säuglinge und Kleinkinder zu.

Beurteilen Sie den Verbrennungsgrad und die Ausdehnung und entscheiden Sie, ob die Apotheke oder der Arzt aufgesucht werden muss. Bei schweren Verbrennungen sollten Sie sofort den Notruf 144 kontaktieren. Decken Sie für den Transport die Verbrennung falls möglich steril ab, zum Beispiel mit einer sterilen Gaze oder einem sauberen Leintuch.

«Die wirksamste Sofortmassnahme ist es, die Verbrennung so rasch als möglich mit handwarmem Leitungswasser zu kühlen.»

Welches sind die häufigsten Verbrennungen?
Bei uns sehen wir häufig Verbrühungen mit heissem Wasser oder Wasserdampf. Auch führen Haushaltsgeräte wie Bügeleisen, Backofen, Herd usw. immer wieder zu Verbrennungen. Ein «Dauerbrenner» sind auch Verbrennungen verursacht durch den heissen Auspuff des Motorrades.

Was hilft bei kleinen Verbrennungen, die ich selber behandeln kann?
Nach der Kühlung mit handwarmem Leitungswasser können Sie die Verbrennung mit Wundspüllösung abspülen und dann mit einem geeigneten Desinfektionsmittel desinfizieren. Auch geeignet zur Wundversorgung sind kühlende Hydrogel-Pflaster oder Hydrogel plus Wundauflage. Lassen Sie sich dazu in Ihrer Apotheke beraten. 

Was sollte ich nicht machen?
Wenn Sie bei einer Verbrennung die Apotheke oder den Arzt aufsuchen müssen, sollten Sie nicht vorgängig die Verbrennung mit einer Salbe, Creme oder einem Hydrogel selbst behandeln. Dies erschwert den Fachleuten die Einschätzung Ihrer Verbrennung.

Auch sollten Sie die Wunde nicht verunreinigen. Achten Sie darauf, dass bei einer Selbstbehandlung die Wunde sauber und steril bleibt. Brandwunden können sich sehr schnell infizieren.
Diabetiker und ältere Personen sollten nie einen okklusiven Verband anlegen, also einen undurchlässigen Verband bestehend aus Hydrogel, Wundauflage und Folienpflaster, sondern immer einen täglichen Verbandswechsel mit Hydrogel, Wundauflage und selbsthaftender Fixierbinde vornehmen. Eventuelle Durchblutungsstörungen können zu starken Infektionen führen.

Und zu guter Letzt sollten Sie die Brandblase nie aufstechen. Unter der Blase herrscht ein feuchtes Wund-Milieu, welches für die Heilung von Vorteil ist.

«Brandblasen sollten Sie nie aufstechen.»

Was muss ich bei der Wundheilung beachten? Wie kann ich sie beschleunigen?
Heutzutage lässt man die meisten Wunden feucht abheilen, so können die „neuen“ Zellen von den Wundrändern aus aufeinander „zuschwimmen“; die Wunde kann schneller abheilen und vernarbt weniger. Hydrogel-Pflaster und Hydrogele stellen ein solch feuchtes Wund-Milieu her und beschleunigen so die Wundheilung.

Sprechen wir noch kurz über die Hausapotheke. Was gehört hinein?
Zur Behandlung möglicher Verbrennungen gehört eine Wundspüllösung, Desinfektionsspray mit breitem Wirkungsspektrum, Hydrogel, nicht-verklebende Wundauflage, atmungsaktive Folienpflaster mit oder ohne Wundauflage und eine selbsthaftende Fixierbinde hinein.

Was muss ich bei Hausapotheken beachten?
Prüfen Sie regelmässig die Ablaufdaten und eventuelle Aufbrauchfristen bei geöffneten Salben, Cremes und Hydrogelen. Die Hausapotheke sollte bei Raumtemperatur nicht über 25°C gelagert werden.

Haben Sie uns als Apothekerin noch einen persönliche Ratschlag?
Suchen Sie bei Unsicherheiten über den Schweregrad bzw. die Ausdehnung der Verbrennung lieber einmal zu viel als einmal zu wenig die Apotheke oder den Arzt auf. Ist die Verbrennung nicht schmerzhaft, sollten Sie SOFORT zum Arzt gehen. Dann besteht die Gefahr, dass die Nervenenden geschädigt sind und Sie deshalb keinen Schmerz verspüren.

 

Besten Dank Frau Dr. Sandra Gruber für dieses Interview

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