Do it yourself bei elektrischen Installationen. Was geht? Was nicht?

Herr und Frau Schweizer lieben es, in Haus und Garten selbst Hand anzulegen. Wer am Samstag durch die Gänge eines Baumarktes geht, erkennt rasch: Do it yourself boomt! Angeboten wird alles, was verbaut werden kann. Als Hausbesitzer frage ich mich oft, welche Arbeiten ich mir selbst zutraue auszuführen. Bei den elektrischen Installationen kommt aber noch eine wichtige Frage hinzu. Darf ich diese überhaupt als Laie installieren?

Eines vorweg: Nicht alles, was ich kaufen kann, darf ich auch selbst verbauen. Was erlaubt ist, was nicht und welche Gefahren lauern, erfahren Sie in unserem Blogbeitrag.

Welche Arbeiten darf ich als Laie selbst ausführen?

Ob völliger Laie oder ambitionierter Handwerker: Wer keine elektrotechnische Ausbildung vorweisen kann, darf kaum Arbeiten an elektrischen Installationen vornehmen. Ihnen fehlt schlicht die Bewilligung dazu. Davon ausgenommen sind die folgenden beiden Arbeiten. Aber Vorsicht, auch hier gibt es zahlreiche Einschränkungen:

Ausnahme 1: Arbeiten an einzelnen Steckdosen und Schaltern in bestehenden Installationen.

  • Arbeiten an einzelnen Steckdosen und Schaltern dürfen nur an bestehenden Installationen sowie nur in selbst bewohnten Wohnräumen und den dazugehörenden Nebenräumen ausgeführt werden. Bei Kollegen zu Hause eine Steckdose oder einen Schalter auszuwechseln, ist nicht erlaubt.
  • Zudem muss der betroffene Stromkreis einphasig und durch eine vorgeschaltete Sicherung und einen FI-Schalter 30 Milliampere geschützt sein. Was heisst einphasig? Einphasige Stromkreise sind typische Licht- und Steckdoseninstallationen mit einer Spannung von maximal 230 Volt. Sie kommen in vielen Wohn- und Schlafzimmern vor. Dem gegenüber stehen die dreiphasigen Stromkreise. Daran sind Geräte angeschlossen, die höhere Leistungen benötigen, beispielsweise der Kochherd oder der Elektroboiler. Arbeiten an dreiphasigen Stromkreisen sind für Laien untersagt.
  • Sind oben stehende Voraussetzungen erfüllt, dürfen Sie Ihre bestehenden Installationen mit einzelnen Schaltern oder Steckdosen erweitern. Ihrer Lichtinstallation dürfen Sie zum Beispiel einen zweiten Schalter hinzufügen. Nicht erlaubt ist jedoch, die komplette Lichtinstallation neu zu installieren oder umfangreich zu erweitern.
  • Mit der Installation ist es jedoch nicht getan. Ihre Arbeiten an Steckdosen und Schaltern müssen Sie danach zwingend von einem Unternehmen mit Kontrollbewilligung abnehmen lassen. Wurden diese Arbeiten korrekt ausgeführt, erstellt es Ihnen dafür einen Sicherheitsnachweis. Falls nicht, werden Sie die notwendigen Korrekturen vornehmen lassen müssen.

 

Ausnahme 2: Montieren und Demontieren von Lampen und deren dazugehörigen Schaltern.

  • Sie dürfen Beleuchtungskörper und deren Schalter nur in den von Ihnen selbst bewohnten Wohnräumen und den dazugehörenden Nebenräumen montieren und demontieren. Diese Arbeiten dürfen nur in spannungslosem Zustand ausgeführt werden. Das heisst: Die Sicherungen müssen entfernt und der Leitungs- und/oder Fehlerstromschutzschalter ausgeschaltet sein.
  • Diese Arbeiten sind nicht kontrollpflichtig. Bei Unsicherheiten ist eine Kontrolle aber auf jeden Fall empfehlenswert.

 

Sie sehen: Es sind nur ganz wenige Arbeiten an der eigenen Elektroinstallation erlaubt. Falls Sie diese Arbeiten selbst vornehmen, sind auch Sie selbst dafür verantwortlich, dass alle Bestimmungen eingehalten werden. Und falls Sie nun unsicher sind, sollten Sie besser die Hände davon lassen und den Profi holen: https://verzeichnisse.esti.ch/de/aikb

 

«Falls Sie nun unsicher sind, sollten Sie besser die Hände davon lassen und den Profi holen.»

Darf ich – darf ich nicht?

Ist für Sie nicht klar, ob Sie die Arbeiten selbst ausführen dürfen oder nicht? Dann lohnt es sich, den Rat eines Elektroinstallateurs einzuholen. Er kann Ihnen diese Frage beantworten. Dürfen Sie die Arbeiten selbst ausführen, kann er Sie zudem beraten, welches die richtigen Materialien für Ihr Vorhaben sind. Dies ist definitiv sicherer, als die benötigten Materialien auf gut Glück im Baumarkt oder Internet zu kaufen.

Die Gefahr sieht man nicht.

In der Regel fliesst der Strom durch die Leitungen im Haus über die Steckdose hin zum angeschlossenen Gerät. Danach fliesst er wieder zurück ins Netz. Wurden alle Teile von einer Fachperson korrekt installiert und die richtigen Schutzmassnahmen verbaut und geprüft, ist Ihr Zuhause sicher.

Legt man selbst Hand an, können schnell Fehler passieren, sei es aus Unachtsamkeit oder Unwissen. Drähte können verwechselt werden, falsche Steckdosen verwendet oder keine Schutzeinrichtung verbaut werden. Eine saubere Prüfung der Installation wird oftmals vergessen. Zwar kann die Steckdose funktionieren. Das heisst jedoch noch lange nicht, dass sie auch sicher ist.

Ein kleiner Defekt an der Isolation oder ein Fehler bei der Installation kann dazu führen, dass der Strom unkontrolliert ausserhalb seiner Bahn fliesst. Diese Gefahr können Sie weder sehen, hören noch riechen. Fasst eine Person ein Strom führendes Teil an, erhält sie einen Stromschlag. Die Auswirkungen eines solchen Schlags sind von Fall zu Fall unterschiedlich. Sie hängen unter anderem von der Stromstärke, der Dauer der Exposition und der Widerstandsfähigkeit des Körpers ab. Entsprechend sind auch die Verletzungen unterschiedlich. Sie reichen von kleinen Verbrennungen über die Schädigung innerer Organe bis hin zu Herzrhythmusstörungen mit tödlichem Ausgang.

Grundsätzlich gilt: Bei einem Stromschlag muss immer der Arzt aufgesucht werden. Dies auch, wenn es der betroffenen Person danach rasch wieder besser geht. Zudem muss jeder Stromunfall mit Personenschaden oder erheblichem Sachschaden dem Eidgenössischen Starkstrominspektorat (ESTI) gemeldet werden. Sie klären danach die Ursache ab und leiten mögliche Massnahmen ein.

Strom verursacht viele Brände.

Eine weitere Gefahr bei elektrischen Installationen ist das Brandrisiko. Defekte Schalter, abgescheuerte Isolationen, lose Kontakte oder falsche Installationen können zu einer Wärmeentwicklung führen. Diese Gefahr kann wochenlang lauern, ehe plötzlich ein Brand ausbricht. Aus diesem Grund ist auch hier eine Installation durch die Experten das A und O für die Sicherheit zu Hause.

Dass dies keine Hypothese ist, zeigt die harte Realität. 2020 verzeichneten die 18 Kantonalen Gebäudeversicherungen 365 Brände – ausgelöst durch Mängel an elektrischen Installationen. Hochgerechnet auf die Schweiz – also inklusive sämtlicher Kantone ohne obligatorische Gebäudeversicherung – sind dies rund 520 Brände pro Jahr oder 1,4 pro Tag!

 «Jeden Tag brennt in der Schweiz ein Gebäude wegen einer elektrischen Installation!»

Was nach dem Unfall oder Brand folgt.

Kommt es durch mangelhafte Elektroinstallationen zu einem Unfall oder Brand, steht grundsätzlich der Eigentümer oder die Eigentümerin der Installation in der Verantwortung. Es muss ein Sicherheitsnachweis vorhanden sein, welcher nach einer Neuinstallation, Erweiterung oder einer Änderung von den Elektroinstallateuren oder Kontrollunternehmen erstellt wurde. Durch lückenlose gültige Elektro-Sicherheitsnachweise kann die Eigentümerschaft nachweisen, dass sie ihren Pflichten nachgekommen ist.   

Zu bedenken ist zudem, dass die Versicherung bei Fahrlässigkeit Rückgriff auf die verantwortliche Person nehmen kann. Dies kann rasch sehr teuer werden und langjährige Gerichtsfälle nach sich ziehen. Kein schöner Gedanke! Vom menschlichen Leid, welches ein solcher Unfall verursachen kann, ganz zu schweigen …

Wie ist die rechtliche Situation?

Alle wichtigen Regeln zu elektrischen Installationen finden Sie in der Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV) sowie auf der Website des Eidgenössischen Starkstrominspektorates (ESTI) – der Aufsichtsbehörde für elektrische Installationen in der Schweiz.

Für Wohngebäude sind – sofern die Eigentümerschaft nicht ändert – nur alle 20 Jahre periodische Kontrollen vorgeschrieben. Eine sehr lange Zeit! Es lohnt sich daher, auch zwischen diesen verordneten Kontrollen die Elektroinstallationen von einer Fachperson überprüfen zu lassen.

Entdeckt eine Eigentümerin Mängel an der Installation, muss sie diese sofort durch eine Fachperson reparieren lassen. Auch ein Mieter trägt eine Verantwortung. Er ist verpflichtet, Mängel sofort der Eigentümerschaft oder Hausverwaltung zu melden.

Zurück zu mir und dem Baumarkt

In mehreren Gängen stapeln sich die Artikel: Abzweigdosen, FI-Schutzschalter, Klemmen, Kabel und Steckdosen – in allen Formen und Grössen. Bei etlichen Produkten habe ich keine Ahnung, für was sie zu gebrauchen sind. Laie halt. Nach dem Schreiben dieses Blogbeitrages ist für mich klar: Von elektrischen Installationen lasse ich in Zukunft besser die Finger …

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